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Diversity-Modi — Normal, Standard und DX

🆕 Adaptive Diversity (v0.97) — Echtzeit vs. stündliche Messung

Vorher (v0.96 und früher): Statische Messung

Zu jeder vollen Stunde hat SimpleFT8 die App für ~90 Sekunden gesperrt um beide Antennen zu vermessen. 6 Zyklen auf ANT1, 6 Zyklen auf ANT2, Median berechnet, festes Verhältnis gewählt (50:50 wenn Differenz < 8 %, sonst 70:30 zugunsten der stärkeren Antenne). Dieses Verhältnis blieb dann eine Stunde lang fix — auch wenn sich die Ausbreitung änderte.

Jetzt (v0.97): Slot-für-Slot

Die neue adaptive Methode sammelt Scores in jedem laufenden Slot. Ein rollender 5-Slot-Puffer pro Antenne (~75 Sekunden bis voll) liefert Median-Werte die mit jedem neuen Slot aktualisiert werden. Dieselbe 8 %-Schwelle wie vorher, aber der Vergleich passiert alle 15 Sekunden statt einmal pro Stunde.

Warum das wichtig ist

  • Keine Mess-Pause — keine UI-Sperre, keine ausgelassenen CQ-Slots
  • Folgt echten Bedingungen — QSB, Skip-Zone-Drift, Tageszeit-Wechsel
  • Keine 1-Stunden-Verzögerung — wenn das Band um 18:00 UTC nach Nordamerika öffnet, reagiert das System binnen Minuten, nicht erst beim nächsten Stundenwechsel
  • Keine Halbzustände mehr — keine halb geschriebenen Preset-Dateien durch abgebrochene Kalibrierung

Wie aktivieren

Toggle in Einstellungen → FT8 & Diversity: „Adaptive Diversity (Testphase)". Die statische Methode bleibt als Fallback verfügbar — wenn Adaptive aus ist, läuft die stündliche Messung wie bisher. Der Toggle gilt nur für die laufende Sitzung (nicht persistent) — App-Neustart deaktiviert. Das Phasen-Label im Antennen-Panel wird blau („● DYNAMISCH (live)") wenn Adaptive aktiv ist.

Häufige Frage: Sollten wir bei CQ nur die dominante Antenne hören?

Nein. Wenn Adaptive z.B. 30:70 anzeigt (ANT2 dominant), wäre die Idee „während CQ-Block 100 % auf ANT2 hören statt 30 % der Slots auf ANT1 zu verschenken" intuitiv naheliegend — aber praktisch kontraproduktiv:

  • Antwortende Stationen rufen 2-3× bis Bestätigung. Bei 70 % Anteil der dominanten Antenne ist die Wahrscheinlichkeit dass mindestens eine Wiederholung in einem dominanten Slot ankommt: 2 Versuche → 94 %, 3 Versuche → 97 %.
  • Die 30 % „schwächere" Slots sind QSB-Versicherung. Wenn die starke Antenne einen kurzen Conditions-Einbruch hat, fängt die andere Antenne das ab. Forcieren auf eine Antenne → bei Einbruch verliert man komplett.
  • Adaptive folgt Conditions slot-für-slot. Wenn ANT2 wirklich dauerhaft besser ist, läuft das Verhältnis ohnehin dort. Manuelles Forcieren wäre Doppel-Optimierung mit weniger Robustheit.

TX läuft sowieso immer über ANT1 (Hardware-Pflicht für die Regenrinne ANT2). Das ist unabhängig vom Diversity-Ratio.


Alle drei Modi auf einen Blick

Welchen Modus soll ich nehmen? Kurze Antwort:

Situation Modus
Ich habe nur eine Antenne Normal
Ich will möglichst viele Stationen hören Diversity Standard
Ich suche gezielt weit entfernte, schwache Stationen Diversity DX
Ich will vergleichen wie gut SimpleFT8 vs. andere Software ist Normal als Baseline

Normal — der Vergleichsmodus

Normal verwendet eine einzige Antenne und verhält sich exakt wie WSJT-X, JS8Call oder jede andere Standard-FT8-Software. Du brauchst ihn als Ausgangspunkt: Wenn du nicht weißt wie gut dein Empfang grundsätzlich ist, kannst du keinen Fortschritt messen. Mess erst mit Normal, dann schalte auf Diversity — der Unterschied ist sofort sichtbar.

Diversity Standard — für die Masse

Mit zwei Antennen wählt das System jede Runde automatisch die Antenne, die gerade mehr Stationen dekodiert. Du hörst nicht einfach mehr von derselben Antenne — du bekommst automatisch immer das Beste aus beiden. Echte Messungen zeigen 15–30 % mehr Stationen als im Normal-Modus.

Diversity DX — für die Leisen

Auch mit zwei Antennen, aber das Auswahlkriterium ist anders: Das System sucht die Antenne, die schwache Signale am besten einfängt — also Stationen mit einem Signal knapp über dem Rauschen (SNR unter −10 dB). Eine starke lokale Station zwei Kilometer entfernt zählt hier nicht, weil du die sowieso hörst. Es zählen die leisen Signale aus tausenden Kilometern Entfernung.

Wann Standard, wann DX? Stell dir vor, du sammelst Vogel-Arten in einem Wald. Standard zählt alle Vögel — je mehr, desto besser. DX zählt nur die seltenen Arten im tiefen Wald, die kaum zu hören sind. Wenn du einfach aktiv funken und viele QSOs machen willst → Standard. Wenn du gezielt nach einem bestimmten seltenen DX-Land suchst → DX.

Warum hat Standard manchmal weniger Stationen als DX? In den Messungen sieht es gelegentlich so aus als hätte DX mehr Stationen als Standard. Das liegt nicht daran, dass DX besser zählt — es liegt am Messzeitpunkt. Wenn Standard um 07:20 Uhr gemessen wird (Band gerade auf dem Höhepunkt) und DX erst um 07:50 Uhr (Band bereits schwächer), zeigt Standard mehr. Umgekehrt genau so. Über viele Messtage gleicht sich das aus. Über 6 gemeinsame Messstunden schlägt DX Normal in 5 von 6 Fällen — bei der Stationsanzahl, nicht nur bei schwachen Signalen.


Kurzfassung (technisch)

SimpleFT8s Diversity-Funktion schaltet jeden FT8-Zyklus zwischen zwei Antennen um, um mehr Stationen zu empfangen. Der Bewertungsmodus bestimmt, wie entschieden wird, welche Antenne besser ist: Standard-Modus zaehlt alle Stationen (am besten fuer CQ und Contests), DX-Modus zaehlt nur schwache Stationen unter -10 dB SNR (am besten fuer DX-Jagd).

Zwei Bewertungsmodi

Modus Was zaehlt Am besten fuer Button zeigt
Standard Alle dekodierten Stationen (SNR > -20 dB) CQ-Betrieb, Contests, allgemeiner Betrieb DIVERSITY
DX Nur schwache Stationen (SNR < -10 dB) DX-Jagd, seltene Stationen, lange Wege DIVERSITY DX

Wechsle zwischen den Modi durch Klick auf den Diversity-Button. Der aktuelle Modus wird auf dem Button angezeigt.

Standard-Modus — Alles zaehlen

Im Standard-Modus gilt die Antenne als besser, die mehr Stationen insgesamt dekodiert. Das ergibt Sinn fuer den allgemeinen Betrieb: Wenn ANT1 25 Stationen dekodiert und ANT2 nur 18, hat ANT1 gerade die bessere Gesamtabdeckung.

Nutze den Standard-Modus wenn:

  • Du CQ rufst und moeglichst viele Anrufer hoeren willst
  • Du in einem Contest arbeitest, wo jeder Kontakt zaehlt
  • Du einfach den besten Gesamtempfang willst

DX-Modus — Schwache Signale zaehlen

Im DX-Modus zaehlen nur Stationen mit SNR unter -10 dB. Das sind die schwachen, entfernten Stationen — das DX, das du suchst. Eine starke lokale Station mit +15 dB zaehlt nicht, weil du die auf jeder Antenne hoerst.

Nutze den DX-Modus wenn:

  • Du seltenes DX oder neue DXCC-Laender jagst
  • Du Long-Path-Oeffnungen arbeitest, wo Signale an der Grenze sind
  • Dir entfernte Stationen wichtiger sind als die Gesamtzahl

Beispiel: ANT1 dekodiert 25 Stationen gesamt, 3 davon unter -10 dB. ANT2 dekodiert 18 Stationen gesamt, 7 davon unter -10 dB. Im Standard-Modus gewinnt ANT1 (25 > 18). Im DX-Modus gewinnt ANT2 (7 > 3) — sie empfaengt mehr schwache DX-Stationen.

Antennen-Markierungen im RX-Panel

Jede Station im RX-Panel zeigt, welche Antenne sie dekodiert hat:

  • A1 — nur auf ANT1 gehoert
  • A2 — nur auf ANT2 gehoert
  • A1>2 — auf beiden gehoert, ANT1 hatte besseren SNR
  • A2>1 — auf beiden gehoert, ANT2 hatte besseren SNR

Damit siehst du sofort, welche Stationen ohne die zweite Antenne gar nicht oder nur schlechter empfangen worden waeren — Diversity- Gewinn live im RX-Fenster.

So funktioniert die Messung

Beide Modi verwenden denselben 6-Zyklen-Messprozess (seit v0.90 — pre-v0.90 verwendete 8 Zyklen mit 4:2-Bias zu ANT1):

  1. 3 Zyklen auf ANT1 (Slots 0-1 zusammenhaengendes Even+Odd-Paar, plus Singleton Slot 4)
  2. 3 Zyklen auf ANT2 (Slots 2-3 zusammenhaengendes Even+Odd-Paar, plus Singleton Slot 5)
  3. Auswertung: Median-Werte beider Antennen vergleichen

Mess-Pattern: A1, A1, A2, A2, A1, A2 — jede Antenne bekommt ein zusammenhaengendes Even+Odd-Paar damit beide Paritaeten unter aehnlichen Ausbreitungsbedingungen gemessen werden.

Median-Bewertung

SimpleFT8 verwendet den Median aller Messungen pro Antenne, nicht den Durchschnitt. Der Median ist robust gegen Ausreisser — ein einzelner ungewoehnlich guter oder schlechter Zyklus verzerrt das Ergebnis nicht. Mit 3 Messungen pro Antenne liefert der Median ein zuverlaessiges Bild (seit v0.90 — pre-v0.90 hatte strukturellen 4:2-Bias zu ANT1).

Die 8%-Schwelle

Nach der Messung vergleicht SimpleFT8 die beiden Median-Werte:

relative_Differenz = |Score_A1 - Score_A2| / max(Score_A1, Score_A2)
Differenz Ergebnis Verhaeltnis
Unter 8% Antennen sind praktisch gleich 50:50
8% oder mehr Eine Antenne ist deutlich besser 70:30 zugunsten der besseren

Die 8%-Schwelle verhindert unnoetige Verzerrung, wenn beide Antennen aehnlich gut sind.

Betriebsverhaeltnisse

Nach der Messung geht SimpleFT8 in die Betriebsphase und schaltet die Antennen nach dem Verhaeltnis:

Verhaeltnis Muster (pro 10 Zyklen) Bedeutung
50:50 A1, A1, A2, A2, A1, A1, A2, A2, ... Beide Antennen bekommen gleich viel Zeit
70:30 A1, A1, A2, A1, A1, A2, A1, A1, A2, A1 Dominante Antenne bekommt 7 von 10 Zyklen
30:70 A2, A2, A1, A2, A2, A1, A2, A2, A1, A2 ANT2 dominant, gleiches Muster umgedreht

Das 50:50-Muster nutzt 2-Zyklen-Bloecke, damit sowohl gerade als auch ungerade Slots auf jeder Antenne abgedeckt werden. Das 70:30-Muster verteilt die Zyklen der schwachen Antenne gleichmaessig, um den Diversity-Vorteil zu erhalten.

Automatische Neumessung

Nach 60 Zyklen Betrieb (ca. 15 Minuten) startet SimpleFT8 automatisch eine neue Messung — aber nur wenn kein QSO aktiv ist. Aktive QSOs werden nie unterbrochen.

Das stellt sicher, dass das Antennenverhaeltnis sich an aendernde Ausbreitung anpasst. Was vor 15 Minuten die bessere Antenne war, muss es jetzt nicht mehr sein.

Bandwechsel

Beim Bandwechsel setzt der Diversity-Controller komplett zurueck und startet eine frische Messung. Das ist noetig, weil die Antennenleistung auf 20m nichts mit der Leistung auf 40m zu tun hat.

Die Anzeige lesen

Das Kontrollfeld zeigt den aktuellen Diversity-Status:

  • Messung (4/8): Messphase, Schritt 4 von 8
  • 50:50 (42/60): Betrieb im gleichen Verhaeltnis, Zyklus 42 von 60 bis zur Neumessung
  • 70:30 A1 (15/60): ANT1 dominant bei 70:30, Zyklus 15 von 60

Die LED-Leiste oder das Verhaeltnis-Label aendert die Farbe je nach Status:

  • Gruen: dominante Antenne klar vorne
  • Teal/Blau: 50:50, beide Antennen aehnlich
  • Gelb: Messung laeuft

Antenna-Pref — das lernende Gedaechtnis

Diversity ist kein simpler Schalter. Nach jedem Dekodier-Zyklus merkt sich SimpleFT8 pro Rufzeichen, welche Antenne diese Station gerade besser empfangen hat — und um wieviel dB.

Das ist der Punkt: Die globale Diversity-Entscheidung (welche Antenne hat gerade mehr Stationen / mehr schwache Signale) ist ein Durchschnitt ueber alle. Aber wenn DL3AQJ aus Norddeutschland kommt und deine ANT2 nach Norden zeigt, ist ANT2 fuer diese eine Station vielleicht 6 dB besser — egal was der Rest des Bandes sagt.

So funktioniert es:

Ohne Diversity: Immer Antenne 1 — egal was gerade los ist. Diversity Standard: Alle 15s: welche Antenne empfaengt gerade mehr Stationen? Die nehmen. Diversity DX: Alle 15s: welche Antenne hoert die schwaechsten Signale? Die nehmen.

  • Antenna-Pref: System merkt sich — "DL3AQJ kommt immer besser auf ANT2". Beim QSO-Aufbau sofort die richtige Antenne, automatisch.

Wann wird umgeschaltet? Nur am Anfang eines Zyklus (nie mitten im Dekodieren). Waehrend eines laufenden QSOs bleibt die Antenne fest, das globale Diversity-Rhythmus wird temporaer ueberlagert. Nach QSO-Ende: zurueck in den normalen Zyklus.

Kein Speicher, kein Timeout. Wird eine Station empfangen, ist der Wert maximal 15 Sekunden alt — praeziser geht es nicht. Wird sie nicht empfangen, gibt es auch nichts anzurufen. Historische Werte braucht niemand.

Warteliste: Wenn mehrere Stationen gleichzeitig rufen, wechselt SimpleFT8 zwischen den Stationen — und jedes Mal auf die passende Antennen-Praeferenz.

Im QSO-Fenster siehst du, welche Antenne genommen wurde: Antworte DL3AQJ (ANT2, +6.3 dB). In der Statusleiste: RX: A2 (+6.3 dB).

Tipps fuer den Betrieb

  • Starte mit Standard-Modus fuer deine erste Session. Wechsle nur zu DX-Modus, wenn du aktiv DX jagst.
  • Fuehre zuerst die Gain-Messung durch (DX Tuning), bevor du Diversity aktivierst. Diversity funktioniert am besten, wenn jede Antenne bereits ihre optimale Preamp-Einstellung hat.
  • Verschiedene Antennen helfen am meisten. Eine Vertikal- und eine Dipolantenne bringen mehr Diversity-Gewinn als zwei identische Dipole am selben Mast.
  • Schalte Diversity nicht waehrend eines QSOs aus. Das System schuetzt aktive QSOs automatisch und misst nicht neu, waehrend du mitten in einem Kontakt bist.
  • Beobachte das Verhaeltnis ueber die Zeit. Wenn es konsistent 70:30 zugunsten einer Antenne zeigt, ist die einfach besser auf diesem Band gerade. Wenn es staendig wechselt, aendern sich die Bedingungen schnell — Diversity macht genau seinen Job.